Die Möllner Briefe: Namik Arslan zu Gast im ARTrium Sommerkino
Namik Arslan und Mathias Richter (r.), Foto: Phronesis Diskurswerkstatt
Es war ein emotional bewegender Abend. Namik Arslan, einer der Überlebenden der rassistischen Brandanschläge im schleswig-holsteinischen Mölln vom 23. November 1992 war ins ARTrium nach Schönhagen gekommen. Anlass war die Vorführung des Dokumentarfilms „Die Möllner Briefe“, ein Film über die tragischen Folgen jener Anschläge, bei denen drei Menschen aus Arslans Familie von Neonazis ermordet wurden: seine Großmutter Bahide Arslan, seine zehnjährige Schwester Yeliz Arslan und seine 14-jährige Cousine Ayse Yilmaz.
„Nach dem Anschlag haben alle über uns gesprochen. Nur mit uns hat niemand gesprochen“, so Namik Arslan, der neben seiner kleinen Tochter auch seiner Mutter Hava Arslan mitgebracht hatte.
Namik Arslan war damals ein Baby. Er überlebte, weil seine Mutter ihn im zweiten Stock aus einem Fenster des brennenden Hauses geworfen hat. Dass damals bundesweit, ja weltweit Briefe mit Beileid- und Solidaritätsbekundungen an die Opfer geschrieben wurden, hatte er bis vor kurzem nicht gewusst. Denn die Briefe lagen jahrelang im Stadtarchiv von Mölln. Sie waren geöffnet, den Überlebenden aber nie ausgehändigt worden.
Davon handelt der Film „Die Möllner Briefe“. Vom Umgang der Politik mit den Opfern, von der Frage, wie ein angemessenes Erinnern an dieses grauenhafte Verbrechen aussehen könnte und vom allgegenwärtigen Rassismus in der deutschen Gesellschaft.
Das Publikum im ARTrium Schönhagen war schockiert. In langen Gesprächen mit der Familie Arslan ging es um die Frage, wie den Opfern in ihrer Trauer und mit ihren nicht vergehen wollenden Traumata beigestanden werden kann.